Resilienz lässt sich nicht antrainieren und das hat einen guten Grund.
- KindSein - Nadja

- 30. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Überall wird gerade Resilienz versprochen. In Workshops, Programmen, Ratgebern. Aber was steckt wirklich dahinter – und was brauchen Kinder tatsächlich?
Vor einigen Wochen kam eine Mutter zu mir. Sie war erschöpft, frustriert und irgendwie auch ein wenig beschämt. Ihr Sohn, neun Jahre alt, hat die Diagnose ADHS. Und wie so viele Eltern in dieser Situation hatte sie alles getan, was man ihr empfohlen hatte. Einen Kurs nach dem anderen. Resilienztraining, Stressbewältigung, Achtsamkeitsprogramme. Alles mit demselben Versprechen: Dein Kind wird stabiler. Belastbarer. Es wird besser durch die Schule kommen, weniger auffallen, mehr funktionieren.
Und am Anfang, hatte sie auch das Gefühl, dass es ein großer Mehrwert für ihren Sohn ist.
Nach den ersten Kursen wirkte ihr Sohn ruhiger und konzentrierter.
Er nutzte die Techniken, die man ihm beigebracht hatte, und auch die Lehrerin meldete zurück, er falle weniger auf.
Aber ein paar Wochen später war alles wieder wie vorher. vielleicht sogar etwas schlimmer.
Ich kenne diese Erlebnisse zur Genüge. Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das ich immer wieder höre. Und es hat einen Grund.
Was in diesen ersten Wochen passiert, ist kein Mehrwert. Es ist unbewusste Anpassung, weil das Kind immer wieder zu hören bekommt: „Dieser Kurs, dieses Training wird Dir helfen.“ Das Kind hat gelernt, was von ihm erwartet wird. Es zeigt das gelernte Verhalten, solange die Situation überschaubar ist, solange der Druck nicht zu groß wird. Aber sobald das Leben wieder schwieriger wird, sobald der Alltag mit all seinen Anforderungen zurückkommt, bricht die dünne Schicht weg.
Weil sie keine Wurzeln hat und hier deutlich wird - Resilienz lässt sich nicht antrainieren. Warum das Nervensystem kein Training mag.
Unser Nervensystem und besonders das eines Kindes mit ADHS, ist nicht auf Funktionieren ausgelegt. Es ist auf Sicherheit ausgelegt. Das autonome Nervensystem arbeitet ununterbrochen im Hintergrund und beantwortet eine einzige Frage:
Bin ich sicher?
Bin ich gesehen?
Bin ich richtig?
Erst wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden, kann echte Veränderung entstehen.
Training aber sendet eine andere Botschaft. Es sagt dem Nervensystem: So wie du bist, reicht es nicht. Lern das hier. Mach es anders. Funktioniere besser. Es registriert: Ich werde korrigiert. Ich bin ein Problem, das gelöst werden muss.
Das erzeugt keinen sicheren Boden. Es erzeugt mehr Alarmbereitschaft = Stress.
Diesen Stress können Kinder, aber auch Erwachsene über einen kurzen Zeitraum aushalten, aber eben nur für einen kurzen Zeitraum. Und dann bricht alles in sich zusammen und wir kommen zurück in die Alarmbereitschaft. Und in diesem Zustand kann das Nervensystem nur eingeschränkt auf eingeübte Techniken zurückgreifen. Das ist kein Fehler, das ist menschliche Biologie. Denn in echten Stresssituationen schaltet das Nervensystem in den Überlebensmodus und dort gibt es keinen Platz für erlernte Strategien. Der Körper reagiert. Nicht der Verstand. Gerade bei Kindern mit ADHS ist dieser Mechanismus besonders ausgeprägt. Ihr Nervensystem ist häufiger in Alarmbereitschaft, reagiert intensiver auf Reize, braucht mehr Sicherheit, nicht mehr Anforderungen.
Wenn dieses Kind nun Kurs für Kurs absolviert, erlebt es immer wieder dasselbe: Es versucht, sich anzupassen, es schafft es kurz, und dann nicht mehr. Und jedes Mal, wenn es nicht klappt, sitzt die Botschaft tiefer: Ich bin falsch. Ich bin zu viel. Ich funktioniere nicht.
Das ist das eigentliche Problem. Nicht die Diagnose. Nicht das Kind, sondern der Ansatz. Was Kinder wirklich brauchen
Bevor wir uns fragen, wie ein Kind belastbarer werden kann, müssen wir fragen,
ob es sich selbst kennt?
Weiß es, was seine Stärken sind?
Kann es aus einem tiefen Gefühl heraus sagen, wenn etwas zu viel wird?
Hat es einen Ort in sich, von dem aus es die Welt betrachten kann?
Resilienz ist keine Technik. Sie ist ein Zustand.
Ein Kind, das weiß, wer es ist,
was es fühlt und
was es braucht,
hat eine innere Basis. Von dieser Basis aus kann es auch schwierige Momente tragen, nicht weil es trainiert wurde, sondern weil es verwurzelt ist.
Diese Verwurzelung lässt sich nicht einüben. Sie entsteht durch Begegnung. Durch das Erfahren von:
Ich bin richtig, wie ich bin.
Meine Gefühle dürfen da sein.
Ich werde gesehen, so wie ich bin.
Genau aus diesem Grund gibt es das KindSeinCoaching Denn genau das ist der Kern von Kindseincoaching. Nicht das Kind verändern. Nicht optimieren. Sondern begleiten, zu sich selbst. Zu einem Verständnis davon, wie es sich anfühlt, was es braucht, wer es ist, jenseits aller Diagnosen und Erwartungen.
Denn ein Kind, das sich selbst kennt, braucht keine antrainierten Techniken. Es hat etwas Beständigeres: eine eigene Mitte. Und von dort aus wächst Resilienz, ganz von allein.
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